Wirtschaftskrimi um „Premium AEROTEC“

Die Schlacht um den deutschen Flugzeugteile-Hersteller „Premium AEROTEC“ in Augsburg wird zum Wirtschaftskrimi: Der schillernde österreichische Milliardär Michael Tojner, der sich unbedingt dieses Filetstück des Airbus-Konzerns einverleiben möchte, konnte sich zwar noch nicht die begehrte Augsburger Firma schnappen. Aber er hat mit Kai Arndt ein Mitglied der Geschäftsführung bei „Premium AEROTEC“ herausgekauft. Anscheinend wird es nun auch ein bisschen schmutzig: Nicht nur Kai Arndt, sondern auch „Premium AEROTEC“-Chef Thomas Ehm sollen Tojner über Monate mit Informationen versorgt haben, berichtet „Business Insider“.

Ende September vergangenen Jahres hatte ich hier berichtet, dass Michael Tojner alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, „Premium AEROTEC“ zu übernehmen. Er warb bei Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier um Vertrauen. Die Politiker haben ein Wörtchen mitzureden, weil „Premium AEROTEC“ Teil des Airbus-Konzerns ist, am dem die Bundesrepublik mit knapp elf Prozent beteiligt ist und zusammen mit Frankreich und Spanien eine Sperrminorität in Höhe von 26 Prozent der Firmenanteile hält. Was immer also bei Airbus passiert, ist somit auch politisch.

Der österreichische Milliardär will mit seiner Schweizer Firma „Montana Aerospace“ die Augsburger „Premium AEROTEC“ übernehmen

Neue Enthüllungen

Laut „Business Insider“ waren der Augsburger Firmenchef Thoms Ehm und sein Finanzchef Kai Arndt gegenüber Michael Tojner, der ihre Firma schlucken will, „ungewöhnlich hilfsbereit“. Über Monate sollen die Top-Manager des Übernahmekandidaten dem übernahmewilligen Tojner „heimlich Informationen und Einschätzungen zu internen Vorgängen“ geliefert haben. Laut „Business Insider“ verwendeten Sie dafür „auch private Kanäle“ zur Informationsübermittlung und „erweckten dabei den Eindruck, dass der Airbus-Vorstand von dem vertrauensvollen Austausch besser nichts erfahren sollte. „Business Insider“ berichtet, dass Firmenchef Ehm „an verschiedenen Stellen als eine Art Berater von Tojner“ aufgetreten sei.

So viel freundliches Entgegenkommen bei der eher feindlichen Übernahme soll nicht unbelohnt bleiben: Tojner hat sich entschlossen, den Finanzchef des Übernahmekandidaten schon mal einzukaufen. Tojners Tochterfirma „Montana Aerospace AG“ gab offiziell bekannt: „Premium AEROTEC“-Finanzchef Kai Arndt darf ab Ende des Jahres als „Chief Operating Officer“ (COO) beim ärgsten Konkurrenten „Montana“ arbeiten.

So berichtete die „Augsburger Allgemeine“ am 5. Juli über den Wechsel von Finanzchef Kai Arndt zu Michael Tojner

Mitarbeiter und Gewerkschaft beunruhigt

Die Vorgänge sind – vorsichtig gesagt – erstaunlich und sorgen bei den Mitarbeitern von „Premium AEROTEC“ für erhebliche Unruhe. Die Gewerkschaft ist auf der Zinne. Die „Augsburger Allgemeine“ zitiert Jürgen Kerner, für die Luftfahrt-Industrie zuständiges Vorstandsmitglied der IG Metall und Aufsichtsrats-Vize von „Premium AEROTEC“: ,,Man muss den Kopf schütteln, schließlich wechselt hier ein Schlüssel-Mitarbeiter, der alle Zahlen im Kopf hat, zur Konkurrenz ja zum möglichen Käufer der Einzelteilefertigung.“ Das sei grob fahrlässig. Der Augsburger Betriebsratsvorsitzende Sebastian Kunzendorf sagte (ebenfalls der „Augsburger Allgemeinen“): ,;Mitarbeiter von Premium AEROTEC sind zutiefst über den Wechsel von Arndt  zu Montana Aerospace verstört. Sie sehen das als Fahnenflucht und glauben, dass er sich hier ans rettende Ufer bringt.“

López und Esser – Erinnerungen an zwei Wirtschafts-Krimis

Bei älteren Menschen wie mir wecken die seltsamen Vorgänge um „Premium AEROTEC“  Erinnerungen an gleich zwei Wirtschaftskrimis:

Verrat von Geschäftsgeheimnissen

Zum einen an den spanischen Automanager José Ignacio López. Er war zunächst Produktions- und Einkaufschef bei Opel, dann beim damaligen Opel-Mutterkonzern General Motors in Detroit Chef des weltweiten Einkaufs. Er zwang  die Zulieferindustrie, ihre Produkte zu drastisch niedrigeren Preisen zu verkaufen. 1993 gelang es dem damaligen VW-Chef Ferdinand Piëch, López völlig überraschend zu VW nach Wolfsburg zu holen. Kurz darauf kam heraus, dass López nicht nur sieben „Krieger“ mit zu VW gebracht hatte, sondern auch 20 Kartons mit Unterlagen und vertraulichen Daten von GM.

Jose Ignacio Lopez wechselte 1993 von General Motors in den Vorstand der Volkswagen AG. Er brachte nicht nur sieben „Krieger“ mit nach Wolfsburg, sondern offenbar auch jede Menge Geschäftsgeheimnisse von GM – Foto: IMAGO/Sepp Spiegl

General Motors witterte  Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen und Industriespionage. Mehrjährige Ermittlungen in Deutschland wurden „wegen fehlenden öffentlichen Interesses“ eingestellt. Ein Verfahren in den USA wurde durch einen Vergleich beendet, mit dem auch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der damalige US-Präsident Bill Clinton beschäftigt waren. Unterm Strich musste VW 100 Millionen Dollar Schadenersatz an General Motors zahlen und für eine Milliarde Dollar Auto-Bauteile bei GM kaufen. López konnte mit einer Zahlung von 400.000 Mark die Einstellung eines Strafverfahrens in den USA bewirken. 1996 zwang ihn VW-Chef Piëch zum Rücktritt.

Millionen von der Konkurrenz

Der andere Fall ist die feindliche Übernahme des früheren deutschen Mobilfunkanbieters „Mannesmann D“ durch die britische „Vodafone“. Mannesmann, eigentlich ein Stahlkonzern, betrieb das deutsche Mobilfunknetz „D2“. Das wollte der damalige Vodafone-Chef Chris Gent sich schnappen. Er bot dem damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser und den Aktionären 100 Milliarden Euro. Esser wies dieses und weitere Angebote von Vodafone immer wieder zurück. Vodafone und Mannesmann lieferten sich wochenlang eine öffentliche Schlacht. Esser wurde in Deutschland als Held wahrgenommen, der sich mutig gegen die feindliche Übernahme wehrte. Nach zehn wilden Wochen unterschrieb Esser dann doch einen Übernahme-Vertrag. Vodafone kostete das sagenhafte 180 Milliarden Euro.

Mannesmann-Chef Klaus Esser galt lange als Held der Übernahmeschlacht. Bis herauskam, dass er von Vodafone 16 Millionen Euro bekommen hat. Dazu noch eine Abfindung von Mannesmann in Höhe von 14 Millionen Euro – Foto: IMAGO/U.Grabowsky

Der Held Esser wurde schlagartig zum Buhmann. Es kam heraus, dass er nicht nur von Mannesmann 14 Millionen Euro Abfindung erhalten hatte. Auch Vodafone zahlte ihm eine Prämie in Höhe von 16 Millionen Euro. Esser und die früheren Mannesmann-Aufsichtsräte Josef Ackermann (Deutsche Bank) und Klaus Zwickel (IG Metall) wurden wegen schwerer Untreue bzw. Beihilfe angeklagt. Das Verfahren zog sich über mehrere Jahre durch die Instanzen. 2006 wurde es gegen eine Geldauflage eingestellt. Esser musste 1,5 Millionen an die Staatskasse und gemeinnützige Institutionen zahlen.

Heute dürfen wir gespannt sein, wie es mit der Augsburger „Premium AEROTEC“ und Michael Tojners „Montana“ weitergeht.

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