Eine Schlagzeile für die Geschichtsbücher

Den 19. April 2005 werde ich natürlich nie vergessen. Der Tag, an dem im Vatikan der neue Papst gewählt werden sollte. Oder auch nicht. Wir haben alle gemeinsam im Produktionsraum vom „Bild“ – damals noch in Hamburg – vor den Fernsehern gesessen und waren zunächst etwas irritiert über die undefinierbare Farbe des Rauchs, der gegen 18:30 Uhr aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle aufstieg. Es war ja kurz vor Redaktionsschluss, für uns kam es auf jede Minute an. Als dann der Name Ratzinger fiel, brach allgemeiner Jubel aus. Ich rief spontan: „Wir sind Papst!“ In der anschließenden Diskussion um die Schlagzeile setzte sich diese Formulierung dann in Ermangelung besserer Ideen durch.

Journalisten und Werbeleute fanden die Schlagzeile genial. Die „Bild“-Leser gar nicht: Am Erscheinungstag – also am 20. April 2005 – brach mehrfach die Telefonzentrale im Springer-Haus zusammen. Massenhaft riefen Leser an und schimpften: „Ich bin nicht Papst!“, „Das ist kein korrektes Deutsch“ – und so weiter. Auch die verkaufte Auflage der Zeitung war an dem Tag deutlich unter dem Durchschnitt.

Wie Journalisten so sind, wollten mich einige nun zum „Papst-Experten“ machen. Das war natürlich Unfug. Ich war evangelisch, dann schon 2001 aus der Kirche ausgetreten.

„Bild“-Schlagzeile vom 20. April 2005
Die Schlagzeile als Riesenplakat: 45 mal 64 Meter groß am Axel-Springer-Gebäude in Berlin zum Benedikt-Besuch (22.-25. September) – 2011 Foto: Peter Müller/BILD

Später hat das Magazin „sinnstiftermag“, das ich gar nicht kannte, mit mir noch einmal ein langes Interview dazu geführt. Da erzähle ich die ganze Geschichte noch einmal sehr ausführlich, auch mit einem sehr persönlichen Hintergrund. Das kann man unter diesem Link noch einmal nachlesen:

http://sinnstiftermag.de/ausgabe_01/interview.htm

Eine Antwort

  1. Also ich fand – und finde noch heute – den Spruch einfach genial. Und kenne niemanden, der das nicht ebenso fand, und den Spruch bis heute nicht vergessen hat. Gar nicht selten wird er heute noch – in etwas abgewandelter Form “ Wir sind wasauchimmer …“ angewendet.

    Jeder erinnert sich auch noch immer an das Titelbild. Benedikt XVI., erkennbar selbst etwas gerührt von dem Empfang, der ihm entgegen schlägt, und dazu – ach so „menschlich“, unter seiner neuen, weißen Soutane der alte schwarze Pullover. (Und das von mir, in der Wolle gefärbt evangelisch-luth.; die ich ganz sicher nicht Papst war…. (Über so humorlose und/oder besserwisserische Äußerungen wie „schlechtes Deutsch“ verkneife ich mir mal eine Bemerkung …..)

    Woraus man u.a. schließen kann: Die spontanen Äußerungen/Ausrufe sind nicht selten die besten.

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