Burda: Schleichwerbung im Horoskop

Frechheit siegt. Die Zeitschrift „InStyle“ aus dem Burda-Verlag, laut Eigenwerbung „das Original-Konzept aller Star-Fashion-Magazine“, hat einen neuen Weg gefunden, seinen Leserinnen Geld aus der Tasche zu ziehen: Schleichwerbung im Horoskop. Im Horoskop? Ja, im Horoskop!

Ich persönlich glaube natürlich nicht an Horoskope – es sei denn, sie prophezeien mir Gutes. Und ja, wer will nicht wissen, ob er gesund bleibt, ein Karrieresprung bevorsteht, die ganz große Liebe bald um die Ecke kommt? Und so kommt es, dass kaum eine Zeitschrift darauf verzichtet, ihren Leserinnen und Lesern einen Blick in die Sterne anzubieten. Täglich, wöchentlich, monatlich. Und irgendjemand muss die Sterndeuterei dann in Worte fassen.

Die „InStyle“-Ausgabe von Juli 2022

Für „InStyle“ macht das seit der Ausgabe Juli 2022 „Astro-Queen“ und „Styling-Wizard“ (was immer das sein mag) Alexandra Kruse. Und zwar auf „ihre unverkennbar einzigartige Art und Weise“, wie Chefredakteurin Sophie Grützner in ihrem Editorial schwärmt. Da hat sie recht, aber sie hat vermutlich nicht damit gerechnet, dass auch mal ein alter weißer Mann aus Berlin in ihr Blättchen reinguckt, das zu 92 Prozent von Frauen gelesen wird.

Die „Astro-Queen“ von „InStyle“, Alexandra Kruse – Foto: Instagram _alexandrakruse_

Verschaukelt werden aber eigentlich alle Leserinnen und Leser, die mit Hilfe der „InStyle“ über die Sterne einen Blick in die – hoffentlich gute – Zukunft erhaschen wollen. Denn ich als Waage erfahre absolut nichts über Liebe, Leben und Gesundheit – mir werden stattdessen neue Pumps der Luxusmarke „Manolo Blahnik“ empfohlen, und zwar die goldenen „Campari-New“. Die soll ich kaufen, und zwar am besten mit meiner Neumond-Energie rund um den 29.6. – wann sonst!

Das Problem ist allerdings, dass die so um die tausend Euro kosten und mir das Horoskop gar nicht verrät, ob ich Aussicht darauf habe, dass ich im Juli so viel Geld übrig habe.

Obwohl – was heißt hier viel? Für das Sternzeichen Krebs (22.6. bis 22.7.) hält die „Astro-Queen“ eine ganzwichtige Botschaft bereit: „Wir raten Ihnen, nie ohne ein Kaschmir-Plaid das Haus zu verlassen. Ein tragbarer Schutzraum, der Ihre unendliche Sensibilität behütet und beschützt – am besten gleich die „Annie“-Decke von Gabriela Hearst, darin kann man wohnen!“ Wenn man es sich leisten kann: Die „Annie“-Decke kostet normalerweise 3.800 Euro, ist aber derzeit heruntergesetzt auf 2.600 Euro. Ein Schnäppchen. Ich finde auch, dass es im Sommer nichts Wichtigeres gibt als eine warme Decke!

Etwas realistischer ist der Schleichwerbungs-Tipp für das Sternzeichen Fische. Wer zwischen dem 20.2. und 20.3. geboren ist, dem spricht „InStyle“ eine besondere „Intuition“ zu, „die Sie zu einem neuen Badeanzug führt“. Und: „Meerjungfrauen lieben Alaia“ (höhö, wir sind ja gerade bei den Fischen). Das Problem: Der billigste Alaia-Badeanzug kostet 400 Euro.

Ein schlimmes Schicksal hat Alexandra Kruse in den Sternen für Menschen gesehen, die im Sternzeichen Skorpion (24.10.-22.11.) geboren sind: Einen Lidschatten, „der konsequent einen Ton zu dunkel ist und sich ständig absetzt“. Oh Gott! Da helfen nur „Nude-Töne“ wie z.B. „Pillow Talk Dreams“ von Charlotte Tilbury. Die kosten auch nur 50 Euro, und man sollte sie „bis zum 8. Oktober“ verwenden.

Mal unter uns, liebe „InStyle“-Redaktion: Ihr habt komplett einen an der Waffel, und dieses Marketing-Tool, das Ihr wahrscheinlich für total genial haltet und „Horoskop“ nennt, ist gar kein Horoskop. Sondern nackte Schleichwerbung und ganz nebenbei ziemlich sicher Verstoß gegen Ziffer 7 des Pressekodex des Deutschen Presserats, in dem es um die Trennung von Werbung und Redaktion geht, genauer um „redaktionelle Veröffentlichungen, die auf Unternehmen, ihre Erzeugnisse, Leistungen oder Veranstaltungen hinweisen“.

Auszug aus Ziffer 7 des Pressekodex

6 Antworten

  1. Der Wahnsinn. Das ist ja an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Bin mir trotzdem sicher, das „Frau“ auf diesem Wege sicher einige dieser Teile los.

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